Die wichtigste Frage bei jeder Photovoltaikanlage lautet: Wie groß soll sie sein? Ist die Anlage zu klein, kaufen Sie weiter viel Strom zu. Ist sie zu groß geplant, ohne dass das zu Ihrem Haushalt passt, landet ein großer Teil des Stroms günstig im Netz. In diesem Beitrag zeigen wir Ihnen, wie Sie die passende Leistung in kWp für Ihr Einfamilienhaus grob abschätzen und welche Punkte bei der Entscheidung wirklich zählen.
Was bedeutet kWp überhaupt?
kWp steht für Kilowatt Peak. Das ist die Spitzenleistung der Module unter genormten Testbedingungen. Im Alltag erreicht eine Anlage diesen Wert nur an sehr guten Tagen kurz. Für die Planung wichtiger ist, wie viel Strom die Anlage über das ganze Jahr erzeugt, also die Kilowattstunden (kWh).
Als Richtwert gilt in Österreich: 1 kWp erzeugt je nach Standort rund 900 bis 1.100 kWh pro Jahr. Ausrichtung, Dachneigung und Verschattung entscheiden, wo Ihre Anlage in dieser Spanne liegt. Ein Süddach mit etwa 30 Grad Neigung ohne Schatten liegt eher oben, ein Dach mit Ost-West-Ausrichtung oder teilweiser Verschattung eher darunter.
Schritt 1: Ihren Stromverbrauch kennen
Ausgangspunkt ist Ihr jährlicher Stromverbrauch. Den finden Sie auf der Jahresabrechnung Ihres Stromlieferanten oder im Online-Portal Ihres Netzbetreibers. Wenn Sie einen Smart Meter haben, sehen Sie dort sogar, zu welchen Tageszeiten Sie Strom brauchen.
Eine einfache Faustregel lautet: Pro 1.000 kWh Jahresverbrauch etwa 1 kWp Leistung. Wer also rund 5.000 kWh im Jahr verbraucht, landet bei einer Anlage um 5 kWp, die über das Jahr gerechnet ungefähr so viel Strom erzeugt, wie der Haushalt braucht.
Diese Regel ist aber nur ein Startwert. Denn die Anlage erzeugt den meisten Strom mittags und im Sommer, während viele Haushalte abends und im Winter mehr brauchen. Deshalb planen viele Hausbesitzer heute etwas größer, vor allem wenn neue Verbraucher dazukommen.
Schritt 2: An die Zukunft denken
Eine PV-Anlage hält viele Jahre. Planen Sie deshalb nicht nur für den heutigen Verbrauch, sondern auch für das, was in den nächsten Jahren kommen könnte:
- Elektroauto: Ein E-Auto erhöht den Stromverbrauch deutlich, je nach gefahrenen Kilometern. Mit einer Wallbox und Überschussladen können Sie einen Teil davon direkt mit Sonnenstrom decken.
- Elektrische Heizung oder Warmwasser: Wenn Sie planen, Heizung oder Warmwasser auf Strom umzustellen, steigt der Bedarf ebenfalls.
- Familienzuwachs oder Homeoffice: Mehr Personen im Haus und Arbeiten von zu Hause verändern den Verbrauch, oft gerade tagsüber.
- Stromspeicher: Ein Speicher verschiebt Mittagsstrom in den Abend. Damit er sich auch füllt, braucht es genug Überschuss von der Anlage.
Später Module nachzurüsten ist möglich, aber oft aufwändiger als gleich passend zu planen. Platz am Dach, Wechselrichter und Förderung spielen dabei eine Rolle.
Schritt 3: Die Dachfläche prüfen
Die beste Rechnung nützt wenig, wenn das Dach nicht genug Platz hat. Moderne Module haben meist eine Leistung von rund 400 bis 450 Watt und sind etwa 2 Quadratmeter groß. Für 1 kWp brauchen Sie also grob 5 Quadratmeter nutzbare Dachfläche.
Nutzbar heißt: Abstände zu Dachrand und First, Kamine, Dachfenster und Gauben sind bereits abgezogen. Auch Schatten von Bäumen oder Nachbargebäuden kann Flächen ausschließen. Bei der Besichtigung vor Ort sehen wir uns das genau an und planen die Modulbelegung passend zu Ihrem Dach.
Schritt 4: Förderung und Netzanschluss beachten
Auch die Rahmenbedingungen beeinflussen die sinnvolle Größe:
- Förderstufen: Beim EAG-Investitionszuschuss gab es zuletzt eigene Kategorien für Anlagen bis 10 kWp und von 10 bis 20 kWp. Für Einfamilienhäuser liegt die passende Größe meist in einer dieser Stufen. Details finden Sie auf unserer Seite zur Förderung.
- Netzanschluss: Jede Anlage muss beim Netzbetreiber angemeldet werden. Je nach Größe und Netzsituation kann der Netzbetreiber die Einspeiseleistung begrenzen. Wir helfen Ihnen bei der Netzanmeldung und klären das vorab.
- Wechselrichter: Er muss zur Anlagengröße passen. Wer einen Speicher später nachrüsten möchte, sollte gleich einen Hybrid-Wechselrichter einplanen.
Typische Größen beim Einfamilienhaus
Viele Anlagen auf Einfamilienhäusern liegen in einer der beiden Förderstufen, also bis 10 kWp oder zwischen 10 und 20 kWp. Kleinere Anlagen passen eher zu sparsamen Haushalten ohne E-Auto. Größere Anlagen sind sinnvoll, wenn ein Elektroauto, ein Speicher oder ein hoher Verbrauch im Spiel ist und das Dach genug Fläche bietet. Eine pauschale richtige Größe gibt es nicht. Entscheidend ist, wie gut Erzeugung und Verbrauch in Ihrem Haushalt zusammenpassen.
Unser Tipp: lieber gemeinsam rechnen als schätzen
Die Faustregeln helfen bei einer ersten Einschätzung. Für eine verlässliche Planung brauchen Sie aber Ihre echten Verbrauchsdaten, die tatsächlichen Dachflächen und eine Vorstellung davon, was sich in den nächsten Jahren ändern soll. Genau das klären wir bei einem Termin. Halten Sie dafür am besten bereit:
- Ihre letzte Stromjahresabrechnung
- Fotos vom Dach und vom Zählerkasten, falls vorhanden
- Ihre Pläne für E-Auto, Speicher oder Heizungsumstellung
Daraus erstellen wir einen Vorschlag für Anlagengröße, Modulbelegung und, wenn gewünscht, einen passenden Speicher.
Stand: November 2026. Ertragswerte sind Richtwerte für Österreich und ersetzen keine Planung für Ihr Dach.
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